Das stille Dritte

Warum die meisten deutschen Vermögen auf zwei Säulen stehen – und was die dritte tatsächlich leistet.

Wenn das Gespräch leise wird

In fast jedem Vermögensgespräch gibt es einen Moment, in dem es kurz still wird. Aktien? Klar. Eine Immobilie? Selbstverständlich. Und dann? Dann wird es leise. Manche reden über Gold. Wenige über Wein, Whisky oder Klassikautos. Über Edelsteine reden die wenigsten – obwohl der größte Vermögensbericht der Welt seit zwanzig Jahren zeigt, dass sie zu einer Anlageklasse gehören, die mit dem amerikanischen S&P 500 mithält.

5,4 Millionen US-Dollar gegen 5,0 Millionen US-Dollar. Wer 2005 eine Million Dollar in den Knight Frank Luxury Investment Index investiert hätte, säße Ende 2024 auf 5,4 Millionen. Dieselbe Million im S&P500: 5,0 Millionen.1 Zwanzig Jahre – einschließlich Lehman-Pleite, Eurokrise, Pandemie und Zinsschock. Am Ende lag ein Index aus Schmuck, Farbdiamanten, Klassikautos, Kunst und Wein knapp vor dem amerikanischen Aktien-Leitindex.

Das heißt nicht, dass Sachwerte besser sind als Aktien. Es heißt, dass die übliche Erzählung – Aktien für die Rendite, Immobilien für die Sicherheit, alles andere für die Romantik – die Wirklichkeit nicht ganz trifft. Drei Anlageklassen dominieren die Vermögensgespräche im deutschsprachigen Raum: Aktien, Immobilien und das, was die Branche neuerdings „Real Investments“ nennt – greifbare Sachwerte, allen voran hochwertige Edelsteine. Welche der drei am meisten leistet, hängt davon ab, wonach gefragt wird. Eine Pauschalantwort gibt es nicht. Was es gibt, sind belastbare Zahlen,einschlägige Indizes und ein paar nüchterne Schlussfolgerungen, die in der üblichen Verkaufsliteratur untergehen.

Aktien – das laute Versprechen

Es gibt eine Zahl, die jeder kennt, der in Deutschland je über Geldanlage gesprochen hat: 8,9 Prozent. Sieben Jahrzehnte DAX,durchschnittliche Jahresrendite. Das Deutsche Aktieninstitut hat es mit seinem Renditedreieck zur populärsten Statistik der deutschen Vermögensbildung gemacht. Sie steht in jedem Erklärartikel, jeder Sparkassenbroschüre, jedem Finanzpodcast. Und sie ist real.

Über siebzig Jahre lag der Schnitt tatsächlich bei rund 8,9 Prozent pro Jahr – inklusive Dividenden, da der DAX als Performance-Index berechnet wird.2 Beim global breiter aufgestellten MSCI World waren es nach DAI-Berechnungen über zwanzig Jahre 9,4 Prozent jährlich für einen monatlichen Sparplan.3 Beeindruckende Reihen. Sie sind kein Marketingversprechen, sondern Statistik.

Und doch erzählt ein Durchschnitt selten die ganze Wahrheit. 2024 legte der DAX rund 19 Prozent zu – ein außergewöhnlich starkes Jahr.4 In anderen Phasen verlor derselbe Index binnen Wochen 30, 40 oder 50 Prozent: 2000–2003 zur Korrektur der Dotcom-Blase, 2008 zum Höhepunkt der Finanzkrise, im März 2020 beim Corona-Schock. Wer in solchen Phasen verkauft, realisiert die Durchschnittsrendite nie. Das ist keine Theorie – es ist die häufigste Verhaltensfalle der Privatanleger, in der Verhaltensökonomie über Jahrzehnte hinweg dokumentiert. Wer den DAX-Durchschnitt für sich beanspruchen will, muss durch jede Phase hindurch. Durch die euphorischen wie durch die schmerzhaften.

Die zweite Eigenschaft, die in Verkaufsprospekten gern fehlt: Aktienrenditen sind nominal. Die reale Rendite nach Inflation liegtdeutlich darunter. In den Hochinflationsjahren 2022 und 2023 lag diedeutsche Verbraucherpreisinflation bei 6,9 bzw. 5,9 Prozent – auchbreit gestreute Aktienportfolios verloren in solchen Phasen real Kaufkraft, wenn auch in der Regel weniger als Anleihen oder Cash.

Und steuerlich gilt seit 2009 die Abgeltungssteuer: 25 Prozent auf realisierte Gewinne, plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Effektiv liegen die Abgaben bei rund 26,4 bis knapp 28 Prozent.5 Anders als bei Sachwerten gibt es keine Haltefrist, nach der Gewinne steuerfrei werden. Wer mit 100.000 Euro Gewinn aussteigt, hat netto rund 73.600 Euro übrig.

Was Aktien im Gegenzug bieten, ist unübertroffen: tägliche Liquidität,ein transparenter Marktpreis und der niedrigste Eintrittspreis aller Anlageklassen. Ab 25 Euro im Monat lässt sich global diversifiziert investieren. Es gibt keine Anlageform, die so demokratisch zugänglich ist. Über lange Zeiträume gehört sie zu den besten Renditen, die ein normaler Sparer überhaupt erreichen kann – vorausgesetzt, er hält durch. Genau das ist die Voraussetzung, die viele unterschätzen.

Immobilien – der Mythos vom Beton-Gold

BetonGold. Sichere Bank. Das eigene Haus als Altersvorsorge. Wenige Erzählungen sind in deutschen Wohnzimmern so fest verankert wie die von der unfehlbaren Immobilie. Sie ist mehr als eine Anlageklasse – sie ist eine Generationsgeschichte. Vom Großvater, der sein Haus durch zwei Weltkriege gerettet hat. Vom Vater, dessen Eigentumswohnung sich in fünfzehn Jahren verdoppelt hat. Vom Kollegen, der „rechtzeitig gekauft“ hat. Die Erzählung ist alt, sie ist warm, sie ist nicht ganz falsch. Aber sie ist eben auch nicht ganz richtig.

Der vdp-Immobilienpreisindex – getragen vom Verband deutscher Pfandbriefbanken auf Basis tatsächlicher Transaktionsdaten von über 700 Kreditinstituten – ist Bestandteil der Bundesbank-Berichterstattung und gilt als maßgeblicher Maßstab für den deutschen Markt. Er stieg von 100 Punkten (Basis 2010) bis Mitte 2022 auf rund 197 Punkte – ein nominaler Zuwachs von 97 Prozent in zwölf Jahren, das entspricht etwa 5,8 Prozent jährlich. Eine eindrucksvolle Reihe. Sie endete abrupt. Mit dem Anstieg des EZB-Leitzinses von null auf vier Prozent zwischen 2022 und 2023 fielen die Preise für selbstgenutztes Wohneigentum 2023 nach vdp-Daten um 4,1 Prozent, in den Top-7-Städten um 5,0 Prozent. 6 Das Kieler Institut für Weltwirtschaft bezeichnete den Einbruch als „stärksten Preisrückgang seit rund 60 Jahren“.7 Vom Höchststand zum Tief verlor der deutsche Markt im Schnitt zehn bis 18 Prozent – je nach Segment und Region.

Was die Tagespresse damals kaum thematisierte: Die Bundesbank hatte den Markt 2022 für deutlich überbewertet gehalten – 20 bis 30 Prozent über den Fundamentaldaten, in einigen Großstädten sogar 25 bis 40 Prozent.8 Das war kein Detail. Es war ein systemisches Warnsignal, das in der breiten Öffentlichkeit kaum ankam.

Inzwischen erholt sich der Markt. Im vierten Quartal 2025 stand der vdp-Gesamtindex bei 185,6 Punkten, rund vier Prozent über dem Vorjahr.9 Doch zwei Wahrheiten bleiben, auch wenn die Preise wieder steigen.

Die langfristige reale Rendite ist unspektakulär. Auf Basis langfristiger Datenreihen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und der Bundesbank sind die deutschen Wohnimmobilienpreise inflationsbereinigt über sehr lange Zeiträume nur moderat gestiegen – über mehrere Jahrzehnte liegt der realeZuwachs deutlich unter einem Prozent jährlich.10Der starke nominale Anstieg seit etwa 2010 ist historisch eine Ausnahme, nicht die Regel.

Die Transaktion frisst die Rendite. Wer in Berlin eine Eigentumswohnung für 700.000 Euro kauft, zahlt zusätzlich 6,0 Prozent Grunderwerbsteuer (42.000 Euro), Notar und Grundbuch (rund 1,5 Prozent, also 10.500 Euro) und je nach Konstellation Maklerprovision (bis zu 3,57 Prozent für den Käufer). Mit Nebenkosten landet die Anschaffung schnell bei 760.000 bis 780.000 Euro. Beim Verkauf innerhalb der zehnjährigen Spekulationsfrist nach § 23 EStG ist der gesamte Veräußerungsgewinn voll einkommensteuerpflichtig – bis zu 45 Prozent persönlicher Spitzensteuersatz.11

Hinzukommt der strukturelle Punkt: Eine Immobilie ist keine handelbare Position. Sie ist ortsgebunden, finanzierungsabhängig und im Krisenfall nicht binnen Tagen zu liquidieren. Wer sein Vermögen zu großen Teilen in einer Immobilie konzentriert hat, hat ein Klumpenrisiko – egal, was die Plakate der Maklerbüros versprechen.

Real Investments – was die Stillen längst wissen

Edelsteine als Anlageklasse galten lange als Sammlerthema. Etwas für Exzentriker, für reiche Erbinnen, für Auktionen, die in der Wirtschaftspresse zwischen Wein- und Uhrenrubriken stattfinden. Wer heute mit den großen Vermögensverwaltungen spricht – in der Schweiz, in Großbritannien, zunehmend auch in Asien –, merkt schnell: Die Anlageklasse hat sich verschoben. Sie ist nicht mehr Randthema. Sie ist Teil ernsthafter Vermögensstrukturen geworden. Belegt durch Daten, nicht durch Behauptung.

Der maßgebliche Index ist der Knight Frank Luxury Investment Index (KFLII). Knight Frank, die globale Immobilien- und Vermögensberatung, gibt seit zwanzig Jahren ihren Wealth Report heraus – Pflichtlektüre in der internationalen Wealth-Management-Szene. Der KFLII setzt sich aus zehn Kategorien zusammen, darunter Schmuck, Farbdiamanten, Klassikautos, Kunst und Wein. Über zehn Jahre legt der Index 72,6 Prozent zu, über fünf Jahre 21,4 Prozent.12 Im Schmucksegment, das hochwertige Edelsteine einschließt, betrug das Plus über zehn Jahre 33,5 Prozent und über fünf Jahre 20,2 Prozent.13

Und genau hier kommt die Zahl aus dem Anfang zurück. Knight-Frank-Forschungschef Liam Bailey beziffert die Langfristleistung präzise: Eine Million US-Dollar, die 2005 dem KFLII gefolgt wäre, hätte Ende 2024 einen Wert von 5,4 Millionen erreicht – gegenüber 5,0 Millionen bei einer Anlage in den S&P 500 über denselben Zeitraum.14 Über zwanzig Jahre, einschließlich der Korrektur 2023/24, lagen die Sachwerte der Luxusklasse damit knapp vor dem amerikanischen Aktien-Leitindex. Eine Wertung, die in deutschen Finanzmedien selten vorkommt.

Spezifisch für Farbdiamanten misst der Fancy Color Diamond Index (FCDI) der New Yorker Fancy Color Research Foundation seit 2005 die Großhandelspreise. Seit Erhebungsbeginn legte der Index insgesamt um 203,4 Prozent zu (Stand Q4 2025). Innerhalb der Kategorie: Pink Diamonds +390,9 Prozent, Blue Diamonds +241,7 Prozent, Yellow Diamonds +47,4 Prozent.15 Das entspricht für Pink Diamonds rund 8 Prozent annualisiert, für Blue Diamonds 6,3 Prozent, für den Gesamtindex 5,7 Prozent jährlich – über zwanzig Jahre, einschließlich Finanzkrise, Eurokrise, Corona und Zinsschock.

Bei farbigen Edelsteinen außerhalb der Diamantenkategorie zeigen die Indizes von Gemresearch Switzerland (GRS), Rapaport und Gemval ähnliche Tendenzen. Die Wiener The Natural Gem dokumentiert für naturbelassene Mosambik-Rubine zwischen 2013 und 2023 eine Wertsteigerung von rund 550 Prozent für einen 3,5-Karäter mit guter Farbe.16 Solche Größenordnungen gelten allerdings ausschließlich für Spitzenqualitäten in begehrten Größen, nicht für den Massenmarkt – und das ist die einzige relevante Kategorie.

Auktionsergebnisse runden das Bild. Der „Estrela de Fura“, ein unbehandelter 55,22-Karat-Rubin aus Mosambik, wechselte 2023 bei Sotheby's für 34,8 Millionen US-Dollar den Besitzer – ein Rekord für einen farbigen Edelstein.17 Bei Christie's wurde der 9,51-Karat „Mellon Blue“ im November 2025 für 25,6 Millionen Dollar zugeschlagen.18 Das sind keine Anlagewahrheiten für den Privatanleger – sondern Markierungen am oberen Ende, die das Marktinteresse abbilden.

Auch hier gehört der ehrliche Teil dazu. Die jüngsten Jahre waren keine Einbahnstraße: Der KFLII fiel 2024 um 3,3 Prozent und 2025 um weitere 0,4 Prozent – die erste längere Korrekturphase seit 2013.19 Der FCDI verlor 2024 mit 2,2 Prozent so viel wie nie zuvor seit Erhebungsbeginn.20 Wer von „krisenfest“ spricht, meint nicht „preisstabil“, sondern „geringere Korrelation und niedrigere Volatilität gegenüber Aktien“. Das ist nicht dasselbe.

Und Edelsteine handeln sich nicht wie Aktien. Es gibt keinen täglichen Marktkurs für einen individuellen Stein. Käufer und Verkäufer treffen sich über spezialisierte Händler, Auktionshäuser oder das Netzwerk eines Vermittlers. Wer einen Investmentstein in Wochen liquidieren will, akzeptiert in der Regel einen Abschlag. Wer die übliche Verwertungsphase – Monate bis ein, zwei Jahre –einplant, erzielt belastbare Preise.

Sieben Dimensionen – der nüchterne Vergleich

Zusammengeführt ergibt sich ein Bild, in dem keine der drei Klassen pauschal„gewinnt“ – weil sie unterschiedliche Aufgaben erfüllen.
Sieben Dimensionen, drei Spalten, kein Schönreden.

Aktien Wohnimmobilien (DE) Real Investments / Edelsteine
Rendite (langfristig, p.a.) ≈ 8 % (DAX 70 J.); MSCI World ≈ 9 % 3–6 % nominal; real langfristig nahe null ≈ 5–9 % laut KFLII / FCDI / GRS; Spitzenqualitäten höher
Volatilität Hoch, täglich sichtbar; Drawdowns 30–50 % Mittel, verzögert sichtbar; 2023 –4,1 % Niedrig sichtbar; reale Bid-Ask-Spreads
Liquidität T+0; börsentäglich handelbar Monate bis Jahre Wochen bis Monate; mobil
Korrelation zu Aktien Mittel; in Zinsschocks deutlich Niedrig (KFLII, FCDI)
Eintrittsschwelle ETF ab 25 € / Monat Sechsstellig aufwärts Fünf- bis sechsstellig pro Stein
Steuer (Privatvermögen) 25 % Abgeltungssteuer + Soli; keine Haltefrist 10 Jahre Spekulationsfrist; danach steuerfrei 1 Jahr Spekulationsfrist; danach steuerfrei (§ 23 EStG)
Wertdichte / Mobilität Digital, an Banken gebunden Ortsgebunden, nicht teilbar Höchste Wertdichte; weltweit transportierbar

Drei Punkte verdienen eine Hervorhebung.

Korrelation. Knight Frank wie auch akademische Studien dokumentieren eine niedrige Korrelation der Luxus-Sachwerte mit dem MSCI World. Aktien und Immobilien hingegen korrelieren in Krisen häufig stärker, als es die Lehrbuchstreuung suggeriert. Wer wirklich diversifizieren will, kommt um Anlagen mit eigener Marktlogik nicht herum.

Steuer. Die einjährige Spekulationsfrist nach § 23 EStG ist – ökonomisch betrachtet – der schärfste Vorteil von Real Investments gegenüber Aktien. Wer im Privatvermögen einen Edelstein nach zwölf Monaten Haltedauer verkauft, zahlt auf den Veräußerungsgewinn keinen Cent Einkommensteuer.21 Bei Aktien unterliegt jeder Verkauf der Abgeltungssteuer – unabhängig von der Haltedauer. Bei einer Immobilie sind es zehn Jahre. Auf 100.000 Euro Gewinn macht das einen Unterschied von rund 26.400 Euro netto – Geld, das nicht beim Finanzamt landet, sondern beim Investor bleibt.

Wertdichte. Ein einziger Karäter eines Spitzensteins kann sechsstellig sein; ein Vermögen von mehreren Millionen lässt sich in einer Hand transportieren. Aktien sind digital und damit mobil, aber an Banken-, Server- und Jurisdiktionsstrukturen gebunden. Immobilien sind das Gegenteil davon – nicht mobil, nicht teilbar, nicht schnell übertragbar. Wer einen Teil seines Vermögens in einer Form halten möchte, die unabhängig von Institutionen, Plattformen und Jurisdiktionen funktioniert, hat genau eine Option.

Die Einwände, die immer kommen

Wer Edelsteine als Anlageklasse zum ersten Mal hört, hat in der Regel vier Reflexe. Es lohnt sich, jeden davon ernst zu nehmen.

Wer kauft mir das später ab?“ Investmentsteine sind ein internationaler Markt – Bangkok, Genf, Hongkong, New York, London. Käufer sind vermögende Privatpersonen, Sammler, Schmuckhäuser, asiatische Investoren. Wer einen zertifizierten, unbehandelten Spitzenstein besitzt, hat eine global anerkannte Werteinheit. Die Frage „Wer kauft das?“ stellt sich bei einem behandelten Massenstein aus dem Einzelhandel. Bei einem Investmentstein lautet sie: „Wann verkaufe ich?“ – denn der Markt existiert.

Wie soll ich das prüfen können?“ Genau dafür gibt es unabhängige Labore. GIA, GRS, SSEF, Gübelin, DSEF, GLA – Institute mit jahrzehntelangem Ruf, die jeden Stein vermessen, analysieren und zertifizieren. Wer ohne Laborgutachten kauft, kauft kein Investment. Wer mit Gutachten kauft, hat eine Dokumentation, die so belastbar ist wie eine Eigentumsurkunde bei Immobilien – und international anerkannt.

Hat das nicht eine riesige Bid-Ask-Spread?“ Ja, beim Einzelhandelsschmuck – ganz erheblich. Beim Investmentstein, fachkundig eingekauft, deutlich weniger. Der Spread ist die direkte Funktion zweier Variablen: Qualität des Steins (je seltener, desto höher die Wiederverkaufsfähigkeit) und Qualität des Einkaufs (Marge der Zwischenhändler). Wer beim Edelsteinhandel um die Ecke kauft, zahlt eine Privatkunden-Marge. Wer im Großhandel oder bei überspezialisierten Vermittlern kauft, zahlt sie nicht.

Bei Aktien sehe ich den Kurs jeden Tag – hier nicht.“ Korrekt. Die Frage ist, ob das ein Vorteil ist. Tägliche Kursfeststellung hat das Privatanleger-Verhalten in den letzten zwanzig Jahren empirisch nicht verbessert. Eher das Gegenteil. Eine Anlage ohne täglichen Kurs ist eine Anlage, die man nicht aus Panik verkaufen kann. Manche Vermögensverwalter halten genau das für ein Feature, nicht für einen Bug.

Was am Ende trägt

Wer aus diesen Daten den Schluss zieht, Aktien seien die „objektiv beste“ Anlage, übersieht die Volatilität, die psychologische Realität und den Steuernachteil. Wer ausschließlich auf deutsche Wohnimmobilien setzt, übersieht das Klumpenrisiko, die geografische Bindung und die langfristig moderate reale Rendite. Wer umgekehrt in Edelsteinen eine schnelle Rendite-Maschine sieht, übersieht die Illiquidität und die hohe Anforderung an Fachexpertise beim Einkauf.

Sinnvoll ist eine bewusste Trennung der Funktionen.

Aktien liefern langfristige Wachstumsrendite und tägliche Liquidität. Das ist ihr Auftrag – und sie erfüllen ihn besser als jede andere Klasse. Wer fünf bis fünfzehn Prozent seines Vermögens hier nicht investiert hat, lässt Rendite liegen.

Immobilien liefern Cashflow durch Mieteinnahmen und einen indirekten Inflationsschutz. Das ist ihr Auftrag. Wer in Deutschland langfristig wohnen will und die richtige Lage findet, hat einen Sachwert, der ihn überlebt – vermietet wie selbstgenutzt.

Real Investments wie hochwertige Edelsteine liefern Wertdichte, Mobilität, geringe Korrelation und einen steuerlichen Vorteil nach Ablauf der Haltefrist. Das ist ihr Auftrag – und sie sind die einzige Klasse, die diese Kombination liefert.

Ein Portfolio, das alle drei Funktionen ernst nimmt, ist statistisch resilienter als jedes, das auf eine Klasse setzt. Die in der Praxis übliche Untergewichtung von Real Investments – bei deutschem Privatvermögen häufig nahe null – ist insofern kein analytisches, sondern ein Zugangsproblem. Die Daten existieren. Die Indizes existieren. Was meist fehlt, ist der Marktzugang und die Bereitschaft, Expertise einzukaufen, wo man sie selbst nicht hat.

Vielleicht ist das am Ende die eigentliche Pointe. Vermögen baut sich nicht über lautes Versprechen. Es baut sich über drei stille Säulen – und über die Bereitschaft, alle drei tatsächlich zu nutzen. Bei einer Million Dollar in zwanzig Jahren waren das zuletzt 400.000 Dollar Unterschied. Das ist viel Geld, um es im Glauben an die alte Erzählung liegen zu lassen.

Quellenverzeichnis

– KnightFrank, The Wealth Report 2025 – Knight Frank Luxury Investment Index (KFLII); Statement Liam Bailey, Global Head of Research (knightfrank.com/wealthreport)
– Deutsches Aktieninstitut – DAX-Rendite-Dreieck, 70-Jahres-Sonderedition (Stand 31.12.2022); Pressemitteilung vom 21.01.2025 (dai.de)
– Deutsches Aktieninstitut – MSCI-World-Rendite-Dreieck, Stand 31.12.2024 (dai.de)
– DAX-Performance-Index 2024 (Schlussstand gegenüber Vorjahresschluss); vgl. DAI, ebenda
– § 20 Abs. 1 EStG i. V. m. § 32d EStG (Abgeltungssteuer 25 % zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer)
– Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) – vdp-Immobilienpreisindex; Deutsche Bundesbank, Monatsbericht Februar 2024: „Preise für Wohnimmobilien sanken 2023 deutlich“ (vdpresearch.de; bundesbank.de)
– Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW) – Einschätzung 2024 zum Preisrückgang am deutschen Immobilienmarkt (ifw-kiel.de)
– Deutsche Bundesbank, Monatsbericht August 2023: Überbewertung von Wohnimmobilien 2022 (bundesbank.de)
– vdpResearch, vdp-Immobilienpreisindex Q4 2025 (Index-Punktwert 185,6; Basis 2010 = 100)
– Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) / Deutsche Bundesbank – langfristige Wohnimmobilienpreis-Datenreihe Deutschland; ausgewertet u. a. durch immo.info, 2025 (bis.org; immo.info)
– § 23 Abs. 1 Nr. 1 EStG (Spekulationsfrist 10 Jahre bei Immobilien im Privatvermögen); Grunderwerbsteuersätze bundeslandabhängig (Berlin: 6,0 %)
– Knight Frank, The Wealth Report 2025 – Knight Frank Luxury Investment Index (KFLII), 19. Edition (knightfrank.com)
– KnightFrank, KFLII 2025, Schmucksegment (Jewellery)
– Liam Bailey, Global Head of Research, Knight Frank – Statement zur Wealth-Report-Veröffentlichung 2025
– FancyColor Research Foundation (FCRF) – Fancy Color Diamond Index (FCDI), Quartalsbericht Q4 2025 (fcresearch.org)
– TheNatural Gem – „Steady performance of gemstones“ (2023); Datengrundlage: Rapaport Diamond Report, Gemval Aggregate Index, Sukrup Gem Index (thenaturalgem.com)
– Sotheby's – Auktion „Magnificent Jewels“, New York, Juni 2023 (Estrela deFura, 55,22 ct, Mosambik, unbehandelt, ca. 34,8 Mio. USD)(sothebys.com)
– Christie's – Auktion „Magnificent Jewels“, Genf, November 2025 (MellonBlue Diamond, 9,51 ct, ca. 25,6 Mio. USD) (christies.com)
– KnightFrank, The Wealth Report 2026, 20. Edition (KFLII −0,4 % in 2025; −3,3 % in 2024)
– FCRF, Fancy Color Diamond Index, Jahresrückblick 2024 (−2,2 %)
– § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG (private Veräußerungsgeschäfte „anderer Wirtschaftsgüter“, einjährige Haltefrist; Freigrenze 1.000 € pro Kalenderjahr)

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